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Zum Sabbatanfang

 


 

 

Gedanken zum Sabbatanfang

 

von Walter Bromba

 

Wer aus einer Familie mit über Generationen gelebter adventistischer Tradition kommt, weiß etwas von dem Zauber des Sabbatanfangs, des Freitagabends. Die Arbeitswoche ist vorbei, jetzt ist man mindestens einen Tag befreit von den Lasten und Sorgen des Alltags. Ja, man ist geradezu verpflichtet, sich nicht mit Alltagsdingen zu beschäftigen. So war das Abendessen etwas Besonders, die Familie war vollzählig, und nach der „Sabbatanfangsandacht“ hockte man noch zusammen. Es gab Kekse oder ähnliche Leckereien, es wurde diskutiert (und wie!), man lachte zusammen oder las. Es hatte immer etwas von einem fröhlichen „Heiligabend“.

Auf der Marienhöhe (dem damaligen Theologischen Seminar) der späten 60er und 70er Jahre war der Freitagabend geprägt von der überfüllten Aula mit der sogenannten „Jugendstunde“ - und  im Anschluss im „Neuen Schülerheim“, dem Studentenheim der Theologen, von Diskussionen auf den Zimmern - bis spät in die Nacht, manchmal bis in den frühen Morgen. „Über Gott und die Welt“, wie es so schön heißt, ließ man seinen Gedanken freien Lauf.

In diesen Traditionen soll ein wenig diese Seite stehen. Wenn nicht am Freitagabend, wann dann?

 

 

 (Die Texte von 2010-2012)

 

(Die Texte von 2013-2018)

 


 

 

01.05.2020

 

Freiheit und Verantwortung

 

 

Das verschlissene Bild aus dem 1. Weltkrieg zeigt ein ostpreußisches Bauernpaar mit zwei ihrer kleinen Söhne (von insgesamt 5 Kindern). Links Walter, nach dem ich später benannt worden bin, rechts mein Vater Paul. Walter starb eine kurze Zeit nach dieser Aufnahme jämmerlich an Diphtherie - wie viele seiner Cousinen und Cousins. Es gab damals keine wirkliche medizinische Hilfe dagegen. Manche überlebten, viele nicht … Mein Vater hatte sich glücklicherweise nicht angesteckt.

In meiner Kindheit gab es noch Menschen, die stark vernarbt die Pocken überlebt hatten. Es gab so manchen meiner Spielkameraden/innen, die für ihr Leben durch Kinderlähmung gezeichnet und belastet wurden. Andere hatten schwere Folgeerkrankungen - wie z.B. Hirnhautentzündung oder weitgehenden Verlust der Sehkraft durch verschiedene Infektionskrankheiten („Kinderkrankheiten“, wie man sagte). Einer meiner Kumpels in der 7. oder 8. Klasse, der uns nach  seiner Mumps-Erkrankung stolz sein Leder-Suspensorium zeigte, das er noch länger aus Schutzgründen tragen musste, blieb als Spätfolge kinderlos.

Unsere Generation nach dem 2. Weltkrieg erlebte, wie jedes Jahr die Gefahren durch Infektionskrankheiten stark verringert wurden - Dank der Bemühungen durch das Fortschreiten der medizinischen Forschung und Erkenntnis - und der Anwendung dieser Erkenntnisse als Gesellschaft.

Ich bin dankbar, das erlebt zu haben und zu erleben!!

Wer sich nicht daran erinnern kann oder will, der mag getrost in die weiten Teile der Welt gehen, deren Bewohner, vor allem die Kinder, unzähligen Epidemien ausgesetzt sind und bisher nicht am medizinischen Fortschritt teilhaben können.

Es ist toll, dass sich Menschen in Wissenschaft und Forschung und in der Praxis engagiert bemühen, Lösungen auch für unsere „Corona-Epidemie“ zu finden. Ich freue mich, dass es Politiker/innen gibt, die verantwortungsvoll Entscheidungen treffen.

Ich halte es mindestens für töricht, dass gerade auch in Facebook so manche der Versuchung nicht widerstehen können, diese Bemühungen als Unterdrückung der Freiheit etc. vielfältig zu verunglimpfen.

 

Gerade diejenigen, die z.B. von Unterdrückung der Religionsfreiheit durch die Quarantänemaßnahmen reden, sollten eigentlich wissen, dass Freiheit nur mit Verantwortung wirkliche Freiheit ist - und diese Verantwortung zugleich ein christliches Gebot ist. 

(Foto: wb)

 

 


 

27.03.2020


Taufjubiläum - 60 Jahre - Erinnerung


Seit Jahrzehnten steht unter den besonderen Jahresterminen der Adventgemeinden der „Jugendsabbat“ Ende März. Oft gestaltet an diesem Tag die Jugendgruppe den Gottesdienst oder es findet eine „Jugendtaufe“ statt. Denn mit 14 Jahren wird man als Jugendlicher aus dem Religionsunterricht entlassen. Adventisten kennen keine Säuglingstaufe, sondern in der Tradition der Täuferbewegung der Reformationszeit und der baptistischen Wurzeln aus dem 17. Jahrhundert die Taufe Religionsmündiger, die diesen Schritt bewusst tun und damit auch als stimmberechtigtes Mitglied in die jeweilige Adventgemeinde aufgenommen werden. 

  So ein Taufsabbat war auch am 26.03.1960. Da es in meiner Heimatgemeinde kein Taufbecken* gab, mussten wir drei, die wir uns zur Taufe entschlossen hatten, nach Kassel, wo auch einige Kassler Jugendliche getauft werden wollten.

  Beinahe wäre ich nicht dabei gewesen. Denn im Winter 1959/60 fand mindestens eine Woche lang eine sogenannte „Jugendevangelisation“ in Kassel statt, zu der wir als Familie oder mein Vater und ich jeden Abend fuhren. Mehr als eine Stunde waren wir jeweils eine Strecke über meist verschneite oder neblige nordhessische Landstraßen unterwegs.

  Diese Jugendevangelisationen hatten auch die Aufgabe, Jugendliche zu ermutigen, eine Entscheidung zur Taufe zu treffen.

  Als Gastredner war in verschiedene deutsche Städte E.L. Minchin eingeladen worden. Er stammte aus Australien und war als Pastor in vielen Bereichen der Jugendarbeit in Australien, Großbritannien und der „Nordeuropäischen Division“ der Generalkonferenz tätig. 1954 wurde er in das Jugenddepartment der adventistischen Weltzentrale (General Conference) nach Washington berufen. Er galt als begeisternder Evangelist und Erweckungsprediger.

  Die Tradition und das Verständnis der Erweckungsbewegungen Großbritanniens und der USA war vielen deutschen Adventgemeinden eher fern, trotz der Herkunft der Adventisten aus den amerikanischen Erweckungsbewegungen der 1840er Jahre - und obwohl es einige Gegenden in Deutschlands gab, die in dieser Tradition standen.

  Charakteristisch für Erweckungsbewegungen sind persönliche Bekehrungen (Umkehr), bewusst erlebter Glaube und bewusst gelebte Gottesbeziehung, was oft in einer veränderten Lebensweise, gemäß dem Verständnis des Evangeliums von Jesus Christus, zum Ausdruck kommt. 

Ich hatte mir schon ein oder zwei Jahre überlegt, ob ich, Pastorensohn und aus einer Familie stammend, die schon im 19. Jahrhundert zur frühen Adventgemeinde in Deutschland gehörte, mit der Taufe meine Zugehörigkeit zu dieser Kirche, mit der ich mich selbstverständlich und bewusst identifizierte, zu dokumentieren.

  Nun predigte E.L. Minchin eindringlich von Umkehr, Bekehrung, die wir bräuchten, von der Erweckung von einem Sündenleben, dem Sündenpfuhl (wie der Übersetzer es nannte), um der bösen Welt zu entsagen.

Wir sangen immer wieder „Erweckungslieder“. In Erinnerung ist mir der kurze Song geblieben, den wir jedesmal mehrfach wiederholend sangen: „Lord, send a revival and let it begin in me.“ („Herr, sende eine Erweckung und lass sie in mir beginnen“).

  Nein, ich empfand mich bewusst als Christ, als Adventist, auch in meiner persönlichen Lebensführung. 

Mir war zwar meine menschliche Fehlbarkeit bewusst, aber ich fühlte mich - immer wieder durchaus reflektierend - auf demWeg eines Christen und in Gottes Hand geborgen. Mit einer radikalen Kehrtwende, wie von Minchin eindringlich gefordert, konnte ich nichts anfangen.

  Nach einigen Wochen entschied ich mich, trotz E.L. Minchin**, als bewusster Christ mit der Taufe mein Bekenntnis zum christlichen Glauben auszudrücken: Den Menschen zugewandt, sich aktiv für diese Welt mitverantwortlich fühlend, und seit meiner Kindheit in ökumenischen Begegnungen und Verbundenheit lebend. ♦


*Die adventistische Taufe geschieht in der urchristlichen Tradition des völligen Untertauchens des Täuflings. Weiteres über das Taufverständnis siehe https://www.adventisten.de/ueber-uns/glaube/kirche/die-taufe/  Diese Taufe ist in der weltweiten Christenheit als christliche Taufe anerkannt.

 

**Edwin Lennard Minchin (1904-1987).

 

 


 

 

 13.03.2020


Mur de la peste 

 

Epidemien, Seuchen, Krankheiten finden sich seit alters in den Überlieferungen der Menschheit, sei es in biblischen Zeiten, der Antike oder im Mittelalter bis zur Neuzeit. Bekannt sind vor allem die großen Pest- und Pockenepidemien, in der Regel ausgehend von Asien, die Bewohner ganzer Landstriche fast ausrotteten und die Geschichte des Orients und Europas immer wieder beeinflussten.

Zumeist stand man hilflos diesen Katastrophen gegenüber.

Doch durch Erfahrung wusste man, dass Quarantäne sinnvoll ist. So war es in den Mittelmeerhäfen seit dem frühen Mittelalter die Regel, bei Verdacht oder bestimmter Herkunft - manchmal auch für alle Handelsschiffe - eine Quarantäne einzuführen: zuletzt 40 Tage. (Möglicherweise ausgehend von Lev 12,1-8, Reinheitsvorschriften).

Bei einer der letzten großen Epidemien Europas wütete die Pest 1720-1722/23 in der Provence, eingeschleppt von dem Schiff „Le Grand St. Antoine“. Das kam am 25. Mai 1720 aus Syrien kommend in Marseille an. Die Quarantäne verkürzte man aus wirtschaftlichen Gründen auf 26 Tage, mit der Folge, dass die Krankheit sich von den dicht bevölkerten Armenvierteln der Stadt (über 100.000 Tote, ein Drittel der Bevölkerung) über den Luberon, Aix-en- Provence und den Alpilles in der Provence ausbreiteten. 

Die Grafschaft Venaissin (Comtat), östlich des Rhone gelegen, anders als der größte Bereich der Provence, gehörte nicht zu Frankreich, sondern war als Enklave mit Avignon Teil des päpstlichen Kirchenstaates.

Als Abwehr der Seuche wurden in der Provence die Verkehrswege kontrolliert, Barrieren errichtet und Furten überwacht.

Der päpstliche Legat gab eine gut 25 km lange und 2 m hohe Mauer in Auftrag (zwischen Monieux und der Schlucht von Cabrières), die das Comtat schützen sollte. Es dauerte jedoch bis zum Sommer 1721 bis das Bauwerk mit Wachtürmchen und Toren fertig war, die Grenze geschlossen und päpstliche Soldaten die Bewachung vornahmen. Doch inzwischen war die Seuche schon im Comtat und Avignon angelangt - aber in der übrigen Provence abgeklungen.  Also übernahmen französische Truppen die Mauer - und schützten die Provence vor der Pest des Comtat Venaissine … 1723 war der Spuk vorüber, die Krankheit erloschen.

Bei der AWA-Herbstakademie 2011 kamen wir in der Nähe dieser Mauer vorbei. Bei der Fülle der verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Provence hielt ich den Schlenker zur Pestmauer für entbehrlich - nicht ahnend, dass 2020 eine Pandemie in Europa Grenzschließungen und Barrieren wie anno 1720-22 verursachen würde. 

Foto: "Meilenstein ztur Erinnerung an die Pestmauer"
Man sieht hier den Pestarzt mit der damals üblichen Vogelmaske
 
(https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cabri%C3%A8res-d%27Avignon_901.jpg
Michel wal / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

(Foto aufgehellt/ wb)

 


 

 

 06.03.2020

 

Heldin des Alltags - Eine junge Frau in einem amerikanischen Greyhoundbus schreibt Geschichte

 

Irene Morgan 1917-2007

 

Irene Morgan, eine 27jährige junge adventistische Frau und Mutter von zwei Kindern, hatte ihre Mutter im Gloucester County in Virginia besucht und machte sich auf, um mit einem Überlandbus der berühmten Greyhound-Linie nach Hause nach Baltimore zu fahren. Es war ein heißer Sommertag im Juli 1944. 

An einer der nächsten Stationen in Virginia wollten zwei weiße Passagiere, dass sie und ihre Sitznachbarin ihnen ihre Sitzplätze im vorderen Bus überließen, da sie im hinteren Busteil nicht neben Farbigen sitzen wollten. Sie fühlten sich im Recht, das zu fordern, denn die Rassentrennungs-Gesetze des Bundesstaates Virginia hatten das Nebeneinandersitzen von Weißen und Schwarzen in Bussen verboten.

Irene Morgan sah dies aber nicht ein, sie habe schließlich genauso bezahlt wie die beiden Weißen.

Da fuhr der Fahrer den Bus zum Sheriff-Büro und Irene Morgan wurde verhaftet, bis sie nach acht Stunden gegen eine Kaution von $ 100 von ihrer Mutter ausgelöst wurde.

Im Rechtsstreit mit dem Staat Virginia entschied schließlich 1946 der Supreme Court, der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, dass für Überlandbusse, die grenzüberschreitend durch verschiedene Bundesstaaten fahren, die Bundesgesetze gelten würden, die keine Rassentrennung kannten, Irene Morgan also freigesprochen werden musste.

Dieses Urteil setzte Rechtsnormen, die Bürgerrechtsbewegung testete das auch aus, bis schließlich 1955 die berühmte Rosa Parks, die in Alabama ebenfalls einen Platzwechsel verweigerte, der schließlich zur langsamen Abschaffung der Rassengesetze in den Südstaaten führte.

Irene Morgan arbeitete als Erzieherin in einem Kinderheim, machte nach dem Tod ihres Mannes mit 68 an der Universität ihren B.A. und fünf Jahre später den M.A. 

2001 erhielt sie von Präsident Clinton die zweithöchste zivile Auszeichnung der USA, die Citizens Medal.

Hochbetagt starb sie mit 90 Jahren im Gloucester County, Virginia. 

 

(Foto: The Afro-American, June 15, 1946)

 


 

 

20.12.2019

 

 Mit diesem Bild der am Tag der Menschenrechte (10.12.2019) blau angestrahlten Paulskirche, dem Ort des ersten gesamtdeutschen Parlaments mit der Verkündigung der Grundrechte und ersten (kurzlebigen) Verfassung (1848/49), wünsche ich allen frohe Festtage und ein gutes neues Jahr!

 

 

 

 

  (Foto: wb)


 

 

 

 

 

 

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